Zurück zum Ratgeber
Pflegegrad & Antrag 12 Min. Lesezeit

Pflegestufe oder Pflegegrad 2026? Umrechnung, Unterschiede, alle Beträge erklärt

Pflegestufe vs Pflegegrad: Was hat sich 2017 geändert, wie die Umrechnung lief, alle Pflegegrade 2026 mit Beträgen, wer welche Leistungen bekommt. Kompletter Erklär-Leitfaden.

Bis heute geben viele Menschen den Begriff „Pflegestufe” in Suchmaschinen ein — obwohl die Pflegestufen seit 2017 abgeschafft und durch Pflegegrade ersetzt wurden. Das ist kein Wunder: über 40 Jahre hieß das System „Pflegestufen”, und alte Begriffe halten sich hartnäckig.

Wer heute „Pflegestufe 2” beantragen will, meint Pflegegrad 3. Wer nach „Pflegestufe 3 Geld” sucht, meint Pflegegrad 4 Pflegegeld. Wie das System 2017 umgestellt wurde, was sich konkret geändert hat und welche Beträge 2026 gelten — das alles in diesem Leitfaden.

Worauf es ankommt

  • Pflegestufen 1 bis 3 gab es bis Ende 2016, Pflegegrade 1 bis 5 gelten seit 01.01.2017
  • Umrechnung 2017: Pflegestufe + 1 = Pflegegrad (z. B. Stufe 2 → PG 3)
  • Bei Demenz: Pflegestufe + 2 = Pflegegrad (z. B. Stufe 1 + Demenz → PG 3)
  • Wer 2017 schon Pflegestufe hatte: bekam automatisch den höheren Pflegegrad, ohne neuen Antrag
  • Bewertungsbasis hat sich grundlegend geändert: früher Pflegezeit, heute Selbstständigkeit in 6 Modulen (NBA)
  • Demenz wird viel besser erfasst im neuen System
  • Pflegegrad 2026: identische Beträge wie 2025, keine Dynamisierung
  • Wer „Pflegestufe” sucht, findet heute Informationen über Pflegegrade

„Die Pflegestufen-Pflegegrad-Reform 2017 war eine der größten Reformen der Pflegeversicherung seit ihrer Einführung 1995. Sie hat besonders für Menschen mit Demenz eine deutliche Verbesserung gebracht — sie wurden im alten System oft übersehen. Wer noch in der Pflegestufen- Logik denkt, sollte den Sprung mitmachen — das System hat sich fundamentell geändert.” — Anna Schmidt, Pflegeberaterin bei Omelia

1. Was war die Pflegestufe?

Das Pflegestufen-System existierte von 1995 bis 2016. Es kannte drei Stufen plus einen Härtefall.

Die alten Pflegestufen

PflegestufeVoraussetzungPflegegeld 2016
Stufe I (erheblich pflegebedürftig)Mindestens 1,5 h Hilfe / Tag, davon ≥ 0,75 h Grundpflege244 €
Stufe II (schwer pflegebedürftig)Mindestens 3 h Hilfe / Tag, davon ≥ 2 h Grundpflege458 €
Stufe III (schwerst pflegebedürftig)Mindestens 5 h Hilfe / Tag, davon ≥ 4 h Grundpflege728 €
Härtefall (besondere Härte)Extrem hoher Pflegeaufwandbis 901 € (stationär)

Was die Pflegestufen-Logik prägte

Der Zeitaufwand war das Hauptkriterium. Wer Pflege brauchte, wurde in Stunden gemessen — wie viel braucht die Person, um geweckt, gewaschen, angekleidet, zur Toilette begleitet, gefüttert zu werden.

Was am alten System problematisch war

Drei Hauptprobleme:

  1. Pflegezeit als Maßstab war für viele Krankheiten ungeeignet — vor allem für Demenz, wo die Person zwar lange Zeit kognitiv und verhaltensbezogen Unterstützung braucht, aber nicht unbedingt viele Stunden „aktive” Pflege
  2. „Verhaltensauffälligkeiten” wurden kaum berücksichtigt — Demenz- Patienten mit nächtlicher Unruhe, Wandertendenz, Aggression bekamen oft nur Pflegestufe 1
  3. Soziale und kognitive Bedürfnisse kamen kaum vor

Die Folge: bis zu 30 % der Demenzkranken bekamen vor 2017 keine oder zu niedrige Leistungen.

2. Was wurde 2017 reformiert?

Mit dem Zweiten Pflegestärkungsgesetz (PSG II) wurden zum 01.01.2017 die Pflegestufen durch Pflegegrade ersetzt — eine Vereinfachung mit weitreichenden Folgen.

Die wichtigsten Änderungen

WasVorher (Pflegestufen)Jetzt (Pflegegrade)
Anzahl Stufen3 + Härtefall5
BewertungsbasisPflegezeit in StundenSelbstständigkeit in 6 Modulen
Demenz-BerücksichtigungSchwachVoll integriert
BewertungsinstrumentPflegezeit-BemessungNeues Begutachtungsassessment (NBA)
Punkte-SystemStunden zählen0 – 100 Punkte aus 6 Modulen

Das Neue Begutachtungsassessment (NBA)

Das NBA ist die heutige Bewertungsmethode. Es prüft in 6 Modulen die Selbstständigkeit in folgenden Lebensbereichen:

  1. Mobilität (Gewicht: 10 %)
  2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten (15 %)
  3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen (15 %)
  4. Selbstversorgung (40 %)
  5. Bewältigung von krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen (20 %)
  6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte (15 %)

Plus Module 7 und 8 (außerhäusliche Aktivitäten, Haushaltsführung) — diese fließen nicht in die Punktezahl ein.

Mehr in unserem MD-Begutachtung 2026 richtig vorbereiten.

3. Umrechnung Pflegestufe → Pflegegrad (2017)

Wer 2017 schon eine Pflegestufe hatte, bekam automatisch einen Pflegegrad — ohne neuen Antrag, ohne erneute Begutachtung.

Die Umrechnungs-Tabelle

Vorhandene PflegestufeNeuer Pflegegrad (ohne Demenz)Neuer Pflegegrad (mit Demenz)
Pflegestufe 0 (Demenz-Pflegestufe)PG 2
Pflegestufe 1PG 2PG 3
Pflegestufe 2PG 3PG 4
Pflegestufe 3PG 4PG 5
Pflegestufe 3 (Härtefall)PG 5PG 5

Die Logik

  • Ohne Demenz: Pflegestufe + 1 = neuer Pflegegrad
  • Mit Demenz (anerkannte Verhaltensauffälligkeiten): Pflegestufe + 2

Was die Reform 2017 für die Betroffenen brachte

  • Demenzkranke profitierten besonders — viele bekamen erstmals überhaupt einen Pflegegrad
  • Höhere Leistungen für viele Personen ohne neue Begutachtung
  • Vereinfachte Antragslogik mit klarem Punktesystem
  • Bessere Vergleichbarkeit zwischen verschiedenen Personen

4. Pflegegrade 2026 — alle Stufen mit Beträgen

Heute gilt für Erstanträge oder Höherstufungen das Pflegegrade-System.

Pflegegrad 1 — geringe Beeinträchtigung

Voraussetzung: 12,5 bis < 27 Punkte im NBA

Leistungen 2026:

  • Pflegegeld: kein Pflegegeld
  • Pflegesachleistung: keine
  • Entlastungsbetrag: 131 € / Monat
  • Pflegehilfsmittel-Pauschale: 42 € / Monat
  • Wohnumfeldverbesserung: einmalig bis 4.180 €
  • Stationäre Leistung: 131 € (entspricht dem Entlastungsbetrag)

Pflegegrad 2 — erhebliche Beeinträchtigung

Voraussetzung: 27 bis < 47,5 Punkte

Leistungen 2026:

  • Pflegegeld: 347 € / Monat
  • Pflegesachleistung: 796 € / Monat
  • Entlastungsbetrag: 131 €
  • Verhinderungs- + Kurzzeitpflege: 3.539 € / Jahr
  • Tagespflege: bis 689 € / Monat
  • Stationäre Leistung: 805 € / Monat

Mehr in Pflegegrad 2 — was Ihnen zusteht.

Pflegegrad 3 — schwere Beeinträchtigung

Voraussetzung: 47,5 bis < 70 Punkte

Leistungen 2026:

  • Pflegegeld: 599 € / Monat
  • Pflegesachleistung: 1.497 € / Monat
  • Tagespflege: bis 1.298 € / Monat
  • Stationäre Leistung: 1.319 € / Monat
  • Alles Übrige wie PG 2

Mehr in Pflegegrad 3 — was Sie 2026 erwartet.

Pflegegrad 4 — schwerste Beeinträchtigung

Voraussetzung: 70 bis < 90 Punkte

Leistungen 2026:

  • Pflegegeld: 800 € / Monat
  • Pflegesachleistung: 1.859 € / Monat
  • Tagespflege: bis 1.612 € / Monat
  • Stationäre Leistung: 1.855 € / Monat

Mehr in Pflegegrad 4 — was Sie 2026 erwartet.

Pflegegrad 5 — schwerste Beeinträchtigung mit besonderen Anforderungen

Voraussetzung: 90 bis 100 Punkte

Leistungen 2026:

  • Pflegegeld: 990 € / Monat
  • Pflegesachleistung: 2.299 € / Monat
  • Tagespflege: bis 1.685 € / Monat
  • Stationäre Leistung: 2.096 € / Monat

5. Was bedeutet das praktisch für Sie?

Wenn Sie noch eine alte Pflegestufe haben

Sie haben automatisch den entsprechenden Pflegegrad seit 01.01.2017. Es gibt keine alte Pflegestufe mehr — alle Bescheide wurden umgewandelt. Falls Sie eine ältere Person betreuen, die noch nicht umgewandelt ist (sehr selten): die Pflegekasse kontaktieren.

Wenn Sie einen Antrag stellen wollen

Sie beantragen einen Pflegegrad — keine Pflegestufe. Mehr in unserem Pflegegrad beantragen Schritt für Schritt.

Wenn Sie Begriffe verwechseln

Häufige Verwechslungen:

  • „Pflegestufe 2” → meint heute Pflegegrad 3
  • „Pflegestufe 3” → meint heute Pflegegrad 4
  • „Pflegestufe 4” gab es nie — wenn jemand das sagt, meint er PG 4 oder PG 5

Mehr Detail im Pflegegrad-Komplettleitfaden 2026.

6. Warum die Reform 2017 besonders bei Demenz wichtig war

Die größte Verbesserung durch die Reform betrifft Menschen mit Demenz.

Vor der Reform

Demenz wurde im Zeit-System kaum erfasst. Eine Demenzkranke konnte über Stunden hinweg „aktiv” sein — aufstehen, gehen, sich kleiden — und trotzdem nicht selbstständig in dem Sinne, dass sie wusste, was sie tat. Im alten System war sie oft Pflegestufe 0 oder 1.

Nach der Reform

Die Module 2 und 3 (Kognition und Verhalten) fließen jetzt mit einem Gewicht von 15 % in die Bewertung ein. Eine Demenzkranke kann ohne körperliche Einschränkung PG 3 oder PG 4 bekommen — weil sie in den kognitiven Modulen viele Punkte hat.

Die Konsequenz

Bis zu 2 Millionen Menschen in Deutschland — vorrangig Demenz-Patienten — bekamen erstmals oder höhere Pflegegrade ab 2017.

Mehr im Demenz zu Hause Pflege-Leitfaden.

7. Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Pflegestufe und Pflegegrad?

Pflegestufen (1 – 3, vor 2017) basierten auf Pflegezeit. Pflegegrade (1 – 5, seit 2017) basieren auf Selbstständigkeit in 6 Lebensbereichen.

Was entspricht heute Pflegestufe 2?

Pflegegrad 3 — bei Demenz Pflegegrad 4.

Welche Pflegestufen gibt es?

Keine mehr. Seit 2017 gibt es Pflegegrade 1 bis 5.

Wie viel Geld bei welchem Pflegegrad?

Pflegegeld 2026: PG 2: 347 €, PG 3: 599 €, PG 4: 800 €, PG 5: 990 €. PG 1 bekommt kein Pflegegeld, aber 131 € Entlastungsbetrag.

Muss ich neuen Antrag stellen, wenn ich Pflegestufe hatte?

Nein. Die Umwandlung in Pflegegrade erfolgte 2017 automatisch — Sie haben bereits den entsprechenden Pflegegrad.

Was, wenn meine Mutter „nur” Pflegestufe 1 mit Demenz hatte?

Sie bekam 2017 automatisch Pflegegrad 3 (Stufe + 2 bei Demenz). Falls das nicht passiert ist: Pflegekasse kontaktieren — möglicher Anspruch auf rückwirkende Leistungen.

Wie erfolgt die Bewertung heute?

Durch das Neue Begutachtungsassessment (NBA) — 6 Module à 0 – 100 Punkte. Mehr in unserem MD-Begutachtung-Leitfaden.

Bei welchem Pflegegrad bekommt man am meisten Geld?

Pflegegrad 5 mit 990 € Pflegegeld + 2.299 € Pflegesachleistung + weitere Töpfe = bis zu rund 6.500 € pro Monat an Pflegekassen-Leistungen (alle Töpfe addiert).

Welcher Pflegegrad bei Demenz?

Im frühen Stadium meist PG 1 oder 2, im mittleren PG 2 – 4, im späten PG 4 oder 5. Die NBA-Module 2 und 3 (Kognition + Verhalten) sind bei Demenz oft punktstark.

Was passiert, wenn ich nach 2017 erstmals Pflegegrad beantrage?

Sie werden direkt nach Pflegegrad-Logik begutachtet — die Pflegestufen spielen keine Rolle mehr.

Wie oft wird Pflegegrad überprüft?

Bei stabiler Pflegesituation nicht regelmäßig. Eine Höherstufung können Sie aber jederzeit beantragen, wenn sich die Situation verschlechtert hat.

Was ist mit „Härtefall” — gab es das nur bei Pflegestufen?

Ja. Der Härtefall war eine Sonderregelung bei Pflegestufe 3 für extreme Pflegebedürftigkeit. Im neuen System gilt Pflegegrad 5 als vergleichbare Höchststufe.

Gibt es einen Pflegegrad 6 oder 7?

Nein. Pflegegrad 5 ist die höchste Stufe. Das System ist auf 5 Stufen festgelegt.

Wo Sie weiterlesen

Pflegegrad-System verstehen:

Konkrete Pflegegrade:

Finanzielles:

Tools:

Externe Ressourcen

  • BMG (bundesgesundheitsministerium.de) — Leistungsbeträge 2026
  • Medizinischer Dienst Bund (medizinischerdienst.de) — NBA-Module
  • Verbraucherzentrale — Beratung
  • Sozialverbände VdK / SoVD

Was wir für Sie tun können

Wir bei Omelia begleiten Familien durch das Pflegegrad-System — auch wenn Sie ältere Begriffe verwenden. Die Erstberatung ist kostenfrei und unverbindlich.

Jetzt persönlich beraten lassen →

Das wichtigste Erkenntnis: die Pflegestufen sind Geschichte. Pflegegrade sind das System der Gegenwart — und Sie haben Anspruch auf deutlich mehr Leistungen als unter dem alten System, vor allem wenn Demenz im Spiel ist.

Geschrieben von

Anna Schmidt

Pflegeberaterin · Recht & Finanzen

Spezialisiert auf Pflegegrad-Anträge, Pflegekassen-Leistungen 2026 und rechtssichere Beschäftigung von Betreuungskräften.

  • Pflegegrad-Antrag und Widerspruchsverfahren
  • Pflegekassen-Leistungen 2026 (Pflegegeld, Entlastungsbetrag, Verhinderungspflege)
  • Steuerliche Aspekte der Pflege (§ 35a EStG)
  • EU-Entsendemodell und rechtssichere Beschäftigung von Betreuungskräften
  • Mindestlohn-Konformität und A1-Bescheinigung
Vollständiges Profil ansehen
Anrufen Beratungsgespräch